20 Fragen zur Sicherheit auf der Piste

Wie verhindert man Unfälle? Braucht es eine Pistenpolizei? Wer bezahlt die Rettung? Experten antworten.

Univ.Prof. DDr. Martin Burtscher ist Arzt und Sportwissenschafter an der Universität Innsbruck.
Mag. Werner Wörndle war Leiter der Ski Academy in St. Christoph und Ausbildner bzw. Prüfer bei der staatlichen Skilehrerausbildung


1. Haben Unfälle auf der Piste in den letzten Jahren zugenommen?
Prof. DDr. Martin Burtscher: Nein, im Gegenteil, unsere Untersuchungen belegen, dass die Zahl der Unfälle in den letzten Jahren besonders seit Einführung der Carverski sogar geringer geworden ist.
Mag. Werner Wörndle: Der Eindruck der Zunahme entsteht, wenn - wie zum Beispiel in Ferienzeiten - viele Leute gleichzeitig auf der Piste sind. Dann passieren naturgemäß auch mehr Unfälle.

2. Welches sind die häufigsten Unfallursachen?
Burtscher: Über 90% der Unfälle sind selbstverschuldet. Kollisionen sind mit ca. 10% die Ausnahme. Da Zusammenstöße aber meist schwere Folgen haben, nehmen sie in den Medien einen größeren Platz ein.
Wörndle: Die meisten Unfälle passieren aus Selbstüberschätzung oder aufgrund von Unaufmerksamkeit.

3. Tragen die neuen Materialien zu mehr Unfällen bei?
Burtscher: Unserer Erfahrung nach im Regelfall nicht, da die wenigsten mit den Carvern auch schnelle Kurven schneiden können. Allerdings zeigt sich bei Skifahrerinnen, dass ihre Knie größerem Druck ausgesetzt sind und sie sich auch häufiger am Knie verletzen als Männer. Frauen sollten daher auf leichtere und drehfreudigere Ski umsteigen und besonders auf eine korrekte Bindungseinstellung achten.

4. Gibt es Statistiken zu den Unfallopfern? Wer verunfallt am häufigsten?
Burtscher: Alkohol, Rauchen und Höhe sind Risikofaktoren. Frauen, besonders wenn sie untrainiert sind und kalte Temperaturen vorherrschen, sind gefährdet Knieverletzungen zu erleiden.

5. Zu welcher Tageszeit und bei welchen Wetter- und Pistenverhältnissen passieren die meisten Unfälle?
Burtscher: Unfälle ereignen sich vor allem am späten Vormittag und am späteren Nachmittag (Ermüdung), bei guter Wetterlage und guten Pistenverhältnissen.

6. Was sind die typischen Folgen von Ski- und Snowboardunfällen?
Burtscher: Bei den Skifahrern sind es meist Knieverletzungen. Kopfverletzungen haben sich sicher aufgrund verstärkter Helmnutzung verringert. Snowboarder verletzen sich am häufigsten am Handgelenk. Schulter und Rücken sind ebenfalls häufig betroffen.

7. Hat die Schwere der Verletzungen in letzter Zeit zugenommen?
Burtscher: Unsere aktuellen Studienergebnisse deuten nicht daraufhin. Allerdings scheinen gut präparierte, eisige Pistenverhältnisse das Risiko für schwere Unfälle (hohe Geschwindigkeit!) zu fördern. Prävention: Vernünftige, dem Können angepasste Fahrweise.

8. Welche Regeln muss ich auf der Piste beachten?
Wörndle: Man sollte sich an die FIS-Regeln halten, die an Tal- und Bergstationen kommuniziert werden. Primär gilt es, Rücksicht auf andere zu nehmen und seine Fahrweise dem eigenen Können, den Wetter- und Schneeverhältnissen sowie der Anzahl der Leute auf der Piste anzupassen.

9. Sollte es eine Pistenpolizei geben?
Wörndle: Sinnvoller wäre eine erhöhte Präsenz der Pistenhilfe – damit die Schneesportler merken, dass sie nicht unbeobachtet sind.
Eine breite Aufklärung über die Gefahren des Skifahrens ist die bessere Lösung.

10. Sollte man auf der Piste eine Promillegrenze einführen?
Burtscher: Alkohol stellt einen Risikofaktor für Stürze dar und beeinflusst besonders in höheren Lagen die kognitiven und motorischen Fähigkeiten negativ.
Wie immer, ist die Dosis entscheidend! Ähnlich wie im Strassenverkehr sollte man haftbar gemacht werden, wenn man alkoholisiert jemanden verletzt.

11. Sind Tempolimits nötig?
Wörndle: Tempolimits sind kaum realisier- und kontrollierbar. Aber das Bewusstsein für Geschwindigkeit muss geschult werden: Viele Leute wissen nicht, dass sie oft mit 50km/h unterwegs sind – bei einer Kollision entspricht das einem Sturz aus zehn Metern Höhe. Zur Bewußtseinsförderung sollten in den Skigebieten regelmäßig Tempomessungen gemacht werden.

12. Was muss ich beachten, wenn ich mit Kindern auf die Piste gehe?
Wörndle: Kinder sollten spielerisch auf die Gefahren im Schneesport vorbereitet werden – wie das in den Schneesportschulen gemacht wird. Als Eltern sollte man mit ihnen nicht zu stark frequentierte Pisten wählen.
Wichtig ist auch eine einwandfreie und komplette Ausrüstung. Dazu gehört ein Helm, fast jedes zweite in einen Skiunfall verwickelte Kind hat Kopfverletzungen.

13. Welche Schutzausrüstung ist für wen empfehlenswert?
Burtscher: Ein Helm empfiehlt sich für alle. Handgelenksschoner sind Snowboardern zu empfehlen – allerdings sollten sie keine Hartschalen enthalten, besser sind flexible Stützen. Rückenschoner schützen zwar vor direkten Schlägen, nicht aber vor Stauchverletzungen – und die sind viel häufiger.

14. Worauf sollte man beim Kauf von Ski und Snowboards achten?
Wörndle: Wichtig ist die Beratung von einem Fachmann. Es ist nicht sinnvoll als Anfänger mit einem Racingski zu fahren. Die Bindung sollte ebenfalls jährlich vom Fachmann überprüft werden und dabei sollte man ehrlich sein Fahrkönnen schildern, damit die Einstellung auch entsprechend passt. Die Kanten sollte man ebenso regelmäßig schleifen lassen. Auch ein frischer Wachsbelag lässt die Ski wieder leichter gleiten.

15. Wie leistet man bei einem Skiunfall als Außenstehender Hilfe?
Wörndle: Zuerst muss man die Unfallstelle absichern und Erste Hilfe leisten. Wichtig: Das Unfallopfer warm halten. Dann den Notruf alarmieren. Die SOS-Nummer ist auf dem jeweiligen Skipistenprospekt angeführt. Es kann auch jemand zur nächstgelegenen Liftstation fahren und den Rettungsdienst verständigen. Die Alpinnotrufnummer 140 sollte benutzt werden, wenn man außerhalb eines gesicherten Skigebietes ist.(Christophorus Notarzt-Hubschrauber 144)

16. In welchen Fällen kommt der Notarzthubschrauber und wer bezahlt dafür?
Wörndle: Die Pistenrettung entscheidet über den Einsatz eines Hubschraubers. Meist erfolgt dies bei schweren Verletzungen oder im freien Skiraum. Die Kosten werden nur zu einem geringen Teil von der Krankenkasse ersetzt. Sie müssen im Wesentlichen vom Verunfallten bezahlt werden. ÖSV-Mitglieder sind entsprechend versichert und bekommen die Kosten ersetzt.

17. Wer kommt bei einer Kollision für Rettungs- und Behandlungskosten auf?
Wörndle: Jeder an dem Unfall Beteiligte ist zur Ausweisleistung verpflichtet. Fahrerflucht wird ebenso geahndet wie im Autoverkehr. Im Ernstfall meldet man den Unfall bei der nächsten Polizeidienststelle. Es wird versucht die Verschuldensfrage zu klären und wenn grobes Fehlverhalten vorliegt, entscheidet ein Gerichtsverfahren. ÖSV-Mitglieder sind Haftpflicht versichert und genießen zudem eine kostenlose Rechtsschutzberatung.

18. Was muss man bei einem Unfall punkto Versicherung beachten?
Wörndle: Der Unfall sollte umgehend der Versicherung gemeldet werden. Dazu fordert man beim ÖSV ein Schadensformular an, das man dann wiederum ausgefüllt an den ÖSV zurückschickt. Der überprüft die aktuelle Mitgliedschaft und leitet die Unterlagen direkt an die Versicherung weiter.

19. Mit welchen Muskelübungen bereite ich mich auf die Wintersaison vor?
Burtscher: Man sollte vor allem die Rumpf- und Beinmuskulatur stärken. Übungen finden Sie unter www.oesv.at/mitgliederservice „Fit für die Piste“ oder unter www.frauenpowder.at

20. Vor der ersten Abfahrt soll man sich aufwärmen – wie?
Burtscher: Wir empfehlen schon in der Früh vor dem Skitag Aufwärmübungen für die Muskeln und Gelenke. Vor dem Fahren sollte man die Arme schwenken und dabei in die Knie gehen, Ellbogen und Handgelenke bewegen. Zum Schluss noch Ober- und Unterschenkel dehnen, und die Ski rechts/links abwechselnd aufkanten. Übungen dazu finden Sie in einem Flyer, den Sie beim ÖSV gratis bestellen können.

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