Der Mann mit den "eisernen Nerven"

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Foto: GEPA Sportlicher Allrounder: Im Sommer macht "Izzi" auch auf vier Rollen eine gute Figur.

Dass ÖSV-Snowboarder Alessandro Hämmerle einen gestählten Körper hat, sieht man auf den ersten Blick. Dass der Vorarlberger Model-Athlet zudem ein Mann mit "eisernen Nerven“ ist, hat er eindrucksvoll bewiesen. Der 26-Jährige hat in den beiden vergangenen Saisonen jeweils im allerletzten Rennen den Gewinn des Snowboardcross-Weltcups fixiert. Im Ski Austria Interview spricht der SBX-Dominator aus dem Montafon über seine Nervenstärke und kommende Ziele.

SKI AUSTRIA: Die Weltcup-Entscheidungen im Snowboardcross sind in den beiden vergangenen Saisonen jeweils im letzten Rennen gefallen, und Alessandro Hämmerle hatte dabei zweimal die Nase vorne. Daher drängt sich die Frage auf: Woher kommt diese Nervenstärke?

Alessandro Hämmerle: Es ist natürlich keine einfache Situation, wenn der Weltcup erst beim Finale entschieden wird. Ich mache mir aber grundsätzlich bei jedem Rennen Druck, um ein gutes Resultat herauszufahren. Daher schaue ich auch nicht auf den Weltcupstand, wenn ich im Startgate stehe. Und noch etwas funktioniert in unserem Sport nicht besonders gut: Mit Taktieren einen Vorsprung zu verwalten, denn dazu ist die Dichte an Topfahrern einfach zu groß. Ich spiele auch schon einige Zeit an der Spitze mit und habe in den vergangenen fünf Saisonen den Weltcup immer unter den Top 3 beendet. Mit dieser Bilanz habe ich mir auch ein gutes Selbstvertrauen aufgebaut.

Wie ist das Gefühl, mit einem Sieg im letzten Rennen wie heuer in Veysonnaz die Kristallkugel zu holen und dabei im direkten Duell auch den härtesten Weltcup-Konkurrenten (Lorenzo Sommariva/ITA, Anm.) in die Schranken zu weisen?

Lorenzo verdient natürlich wie alle anderen Fahrer in einem großen Finale Respekt, aber ich bin sehr selbstbewusst in diesen Heat gegangen, weil es in den direkten Duellen zwischen uns beiden in diesem Winter 3:1 für mich gestanden ist. In dieses große Finale habe ich dann noch einmal alles reingeworfen und es ist alles aufgegangen. Mit einem Sieg die Kugel zu holen, ist schon ein cooles Gefühl.

„Mit einem Sieg die Kugel zu holen, ist schon ein cooles Gefühl“

Unmittelbar nach dem Weltcupfinale Mitte März ist es aufgrund der Corona-Pandemie zum Lockdown gekommen. Wie habt ihr das Training in den vergangenen Wochen organisiert und wie sieht der Fahrplan für die kommenden Monate aus?

Ich habe nach Ostern wieder das Krafttraining im Olympiazentrum in Dornbirn aufgenommen. Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit absolvieren wir selbstständig nach unseren individuellen Trainingsplänen. Für den Spätsommer ist dann auch wieder ein Gletschertraining mit der gesamten Mannschaft geplant.

In der kommenden Saison soll die WM in China ausgetragen werden. Das wäre eine ideale Möglichkeit, erstmals auch bei einem Großereignis zuzuschlagen!

Zunächst hoffe ich einmal, dass sich die weltweite Lage soweit entspannt, dass wir im kommenden Winter sowohl Weltcuprennen als auch die WM fahren können. Ich bin bisher bei zwei Olympischen Spielen und vier Weltmeisterschaften angetreten, aber für eine Medaille hat es noch nicht gereicht, weil bisher an diesem berühmten Tag X nicht alles zusammengepasst hat. Natürlich ist es ein großes Ziel von mir, bei einem Großereignis eine Medaille zu gewinnen, aber das lässt sich nicht erzwingen. Zum Glück bin ich erst 26, da sollten sich noch ein paar Weltmeisterschaften und zumindest noch zwei Olympische Spiele ausgehen.

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Foto: GEPANervenstark: Auch in der abgelaufenen Saison sicherte sich der Vorarlberger die Snowboardcross-Kugel im letzten Bewerb.
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Foto: FIS | Miha Matavz;Alessandro Hämmerle war der Konkurrenz in den letzten Jahren meist eine Brettlänge voraus.

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