„Ich möchte ein echter Siegspringer werden!“

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Foto: GEPA Der Tiroler Philipp Aschenwald will heuer endgültig an die Weltspitze.

Der 24-jährige Zillertaler Philipp Aschenwald hat sich unter den weltbesten Skispringern etabliert. Nach zwei Medaillen bei der Heim-WM 2019 in Seefeld (Team und Mixed-Team) peilt der Gesamt-Zehnte des vergangenen Winters seinen ersten Einzel-Weltcupsieg an.

Philipp, deine Sommerbilanz kann sich sehen lassen. Bester Österreicher beim einzigen Grand Prix in Wisla, frischgebackener Staatsmeister von der Großschanze – wächst du langsam in die Rolle eines neuen Zugpferdes hinein?

Philipp Aschenwald: Die Entwicklung über den Sommer stimmt mich zuversichtlich. Das Ergebnis beim Grand Prix in Polen war okay, auch wenn ich nicht meine beste Technik ausgepackt habe. Bei der Staatsmeisterschaft hatte ich ein paar richtig lässige Sprünge dabei. Ich denke, es ist im Vergleich zum Vorjahr doch Einiges weitergegangen.

Seit zwei Jahren bist du Fixstarter im Weltcup und deine Leistungskurve zeigt kontinuierlich nach oben.

Mein Weg ist sicher noch nicht zu Ende. In den letzten beiden Jahren ist es mir gelungen, mich im Weltcup zu etablieren. Das war ein wichtiger Schritt, aber ich möchte ein echter Siegspringer werden. Ein Einzelsieg im Weltcup ist mein erklärtes Ziel für den kommenden Winter.

Dein Vater Hansjörg ist dein Mentaltrainer. Er hat 1988 in Calgary mit der Mannschaft der Nordischen Kombinierer Bronze gewonnen. Ist eine Olympia-Medaille auch dein großes Ziel?

Ich glaube, es gibt keinen Sportler, der sagen würde, dass es etwas Wichtigeres als Olympische Spiele gibt. Aber man hat nur alle vier Jahre die Möglichkeit und wenn es soweit ist, dann muss man auf den Punkt liefern. Zum Glück haben wir Skispringer mit der Vierschanzentournee jedes Jahr ein Top-Event. Und dann gibt es auch noch die Weltmeisterschaften. Am meisten Wert hat aber ein Sieg im Gesamtweltcup, denn dieser spiegelt die gesamte Saisonleistung wider.

Du bist nicht nur in einer sportlichen, sondern auch musikalischen Familie aufgewachsen und spielst Ziehharmonika. Welchen Stellenwert hat die Musik für dich?

Musik hilft mir dabei, mich vor Wettkämpfen zu motivieren. Allerdings spiele ich da nicht mit der Ziehharmonika, sondern höre Musik aus meinen Kopfhörern. Wenn ich an ruhigen Tagen daheim bin, dann ist es schon lässig, wenn man selbst ein Instrument spielen kann. Dabei kann ich richtig abschalten.

Welche Musik hörst du privat, zum Beispiel vor dem Wettkampf?

Da höre ich sicher keine Schlager. Aber auch keine zu harte Musik wie Metallica. Ich kann schwer sagen, wie man diese Musik genau nennt. Es ist Popmusik, aber keine, die man oft im Radio hört.

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Foto: GEPAAls Gesamt-Zehnter des vergangenen Winters zählt Aschenwald zum erweiterten Favoritenkreis.

Ärgerst du dich, dass Corona ausgerechnet deine Springer-Generation erwischt hat?

Nein, ich hoffe einfach, dass es ein möglichst normaler Weltcup-Winter wird. Ich denke, dass man vielleicht sogar Einiges mitnehmen kann, wenn alles vorbei ist. Ich habe zum Beispiel immer gedacht, dass ich die Sommerwettkämpfe nicht wirklich brauche. Aber heuer habe ich gesehen, dass die wenigen Vergleichsmöglichkeiten, die wir hatten, sehr wichtig waren.

Mit der Weltmeisterschaft im Skifliegen in Planica sowie der Nordischen-WM in Oberstdorf stehen zwei große Highlights am Programm. Dazu gibt es noch die Vierschanzentournee. Was hat für dich Priorität?

Bei einer Skiflug-WM war ich bisher nur als Ersatzmann dabei. Ich freue mich also schon auf meine Premiere. Die Tournee ist jedes Jahr ein großes Ziel. Aber auf die WM in Oberstdorf freue ich mich besonders. Das werden hoffentlich die zwei spannendsten Wochen der Saison.

Du hast gute Erinnerungen an deine letzte WM in Seefeld. Vor heimischem Publikum hast du als relativ unbekannter Athlet zwei Silbermedaillen gewonnen.

Ich habe zum Glück gleich bei meiner ersten WM die Erfahrung gemacht, dass so eine Medaille einfach passieren muss. Ich hätte mir noch kurz davor nicht vorstellen können, dass ich in Seefeld zweimal am Podest stehe und dann ist alles ganz schnell gegangen. Jetzt habe ich zwei Silberne daheim hängen und es ist mein großer Wunsch, diese Medaillensammlung zu erweitern.

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Foto: GEPADer Zillertaler peilt heuer seinen ersten Weltcup-Sieg an

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