Interview mit Jakob Herrmann

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Fotos: SportdiMontagna (li.) / HSZ (re.) Jakob Herrmann wurde als zweiter ÖSV-Skibergsteiger im Heeressportzentrum des Österreichischen Bundesheeres aufgenommen.

Mit 1. Dezember 2018 wurde der Salzburger Jakob Herrmann als zweiter ÖSV-Skibergsteiger im Heeressportzentrum des Österreichischen Bundesheeres aufgenommen. Der Eintritt von Jakob Herrmann in das HSZ ist nach der Aufnahme von Daniel Zugg (Vorarlberg) im Vorjahr ein klares Bekenntnis des ÖSV und aller beteiligten Sportorganisationen für Skibergsteigen als Berufs- und Spitzensport.

Wir haben Jakob Herrmann, Österreichs besten Skibergsteiger, zum Interview gebeten, um uns über seine veränderte sportliche Situation zu berichten.

Du bist nun seit 1. Dezember offiziell beim Heeressport, was hat sich seit dem bei dir geändert, vor allem in Bezug auf Training oder Tagesablauf?

Da ich seit Mitte September (Schulanfang) in Karenz bin, hat sich an freier Zeit für das Training nichts geändert, aber im Kopf weis ich jetzt einfach, dass ich finanziell abgesichert bin und ich zu 100% Profi bin. Das hat mir nochmal einen Aufschwung gegeben und es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich jetzt in HLSZ Rif bin! 

Als du am 3. Dezember beim BH Stellung beziehen musstest, was ist da genau passiert?

Am 03.12. hatte ich meine erste Standeskontrolle um 07.30 im HLSZ RIF, anschließend sind wir zum Material ausfassen und zur Einstellungsuntersuchung in die Schwarzenbergkaserne gefahren. Danach hatte ich mit meinem Vorgesetzten Vzlt. Geiger, Anm.) das erste Dienstgespräch.

Wo genau bist du stationiert und was sind deine Verpflichtungen gegenüber dem BH?

Ich bin im HLSZ Rif stationiert. Am Montag muss ich um 07.30 zur Standeskontrolle. Mein Schneetraining mache ich in Werfenweng, meine Leistungstests und spezielle Einheiten in Rif. Verpflichtungen: das BH muss immer genau wissen, was ich zu welcher Uhrzeit mache und wo ich mich befinde. Ansonsten heißt es einfach Leistung zu bringen! 

Wie oft musst du dich „melden“ bzw. musst du Dienst in Rif versehen, hast du einen gewissen Freiraum in der Trainingsgestaltung?

Im Winter zu den Wettkampfterminen muss ich natürlich nicht nach Rif, ansonsten muss ich jeden Montag nach Rif und das Training, dass in Rif möglich ist auch dort machen. Spezifisches Schnee-Training kann ich natürlich wo anders machen! 

Du bist nun mit Daniel Zugg der zweite Skibergsteiger, der als Berufssportler beim BH abgesichert ist. Wie siehst du diese Entwicklung?

Da wir leider noch nicht olympisch sind, wird es weiterhin eine Randsportart bleiben, aber die Entwicklungen sind sehr positiv und ich bin dem ÖSV und BH sehr dankbar, dass ich diese Chance bekomme! 

Wie wichtig ist dieser Schritt für dich, wie lange hast du Leistungssport ohne so ein Backup gemacht?

Um international ganz vorne dabei zu sein bzw. über mehrere Jahre vorne zu bleiben, muss man sich zu 100% auf den Sport konzentrieren können. Speziell die Regeneration ist nach den Wettkampfwochenenden extrem wichtig. Man kann bestimmt über eine kurze Zeit ganz vorne mitlaufen, aber nicht langfristig gesehen. Ich habe seit Anfang an den Leistungssport neben der Arbeit gemacht und in den letzten 4 Jahren habe ich mich noch mehr auf das Training konzentriert und jede Weltcupstation mitgemacht. Davor war es nicht möglich, so viele Stunden zu trainieren bzw. überall mitzufahren. 

Was sind deine Erwartungen mit dieser Änderung des Trainingsumfeldes, was erwartest du dir aufgrund dieser Professionalisierung?

Das Ziel ist ganz klar, dass ich mich international unter den besten Athleten positionieren kann und meine Podestplätze von den letzten 2 Jahren wiederholen kann. Der größte Traum/das größte Ziel ist natürlich einmal einen Weltcup zu gewinnen! 

Wie schaut es für dich finanziell aus, bist du nun „sorgenfrei“ oder bleibt die Sportart trotz dieser Absicherung ein „Minusgeschäft“?

Es sind zumindest alle Kosten gedeckt, aber ohne private Sponsoren könnte man damit kein Geld verdienen.  

Wie sind die Reaktionen deines Umfeldes, wie sehen deine Freunde, deine Trainingskollegen und deine Familie diese Veränderung?

Mega gut! Es haben sich alle so mit mir gefreut und alle haben es mir so gegönnt! Speziell meine Mama, Freundin Andrea und mein Trainingskollege Alex Brandner!  

Wie lange bist du nun beim Heeressport abgesichert und wie schätzt du deine Chancen ein, beim Bundesheer zu verlängern?

Mein Vertrag läuft bis Ende August - danach wird entschieden, ob ich verlängert werde!  

Wenn du nun einen Wunsch ans Christkind hättest, was würdest du dir wünschen, dass du wirklich von einem 100% perfekten Leistungsumfeld sprechen könntest?

Mein größter Wunsch ist: gesund bleiben (nicht nur für die Wettkämpfe, sondern allgemein). Gesundheit ist das größte Gut! Aber aus sportlich Sicht gesehen, wäre es natürlich sehr schön, wenn unsere Jugend in Zukunft von Anfang die Unterstützung bekommt, um den Leistungssport ausüben zu können.

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