Puelacher im Interview

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GEPA

Nach der Absage der letzten Rennen in Kranjska Gora (SLO) ist die Weltcupsaison der Herren vorzeitig beendet. Der sportliche Leiter der ÖSV-Herren, Andreas Puelacher, blickt zurück.

Nachdem schon das Weltcupfinale in Cortina (ITA) aufgrund des Corona-Viruses abgesagt werden musste, wurden am heutigen Donnerstag auch die Rennen im slowenischen Kranjska Gora abgesagt. Die Weltcupsaison der Herren ist somit, wie auch jene der Damen, vorzeitig beendet. Für den ÖSV war es eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Ski Austria hat mit dem sportlichen Leiter, Andreas Puelacher, über die Highlights, Nationencup und Pläne für die kommende Saison gesprochen.

Andreas, die Absage der Rennen in Kranjska Gora hat doch etwas länger gedauert. Ist es für dich nachvollziehbar?

„Die Absage ist klar nachvollziehbar. Wenn man sich die Entwicklungen rund herum anschaut ist es eine dramatische Geschichte. Wir waren bis zuletzt voll auf Fokus und haben uns vorbereitet wie auf jedes Weltcuprennen. Für mich und auch für die Athleten ist es die richtige Entscheidung.“

Der Sieg im Gesamtweltcup geht an Aleksandar Aamodt Kilde aus Norwegen. Was sagst du dazu?

„Ein verdienter Gesamtweltcupsieger, er hat über vier Disziplinen immer wieder sehr gut gepunktet und ist ein hohes Niveau gefahren. Ich finde es auch gut, dass es ein Abfahrer geworden ist. Das zeigt, dass man auch als Speed-Fahrer einen Gesamtweltcup gewinnen kann. Matthias Mayer war lange vorne mit dabei, leider ist ihm dann die Krankheit im Weg gestanden. Er ist dennoch eine sehr gute und konstante Saison gefahren.“

Marco Schwarz ist nach seiner Kreuzbandverletzung sehr gut zurückgekommen. Wie schätzt du seine Leistungen ein?

„Marco war für mich ein richtiges Highlight, weil er richtig schnell zurück gekehrt ist in den Weltcup und auch gleich Podiums eingefahren ist. Wir sind die Sache mit ihm sehr vorsichtig angegangen und es hat sich als richtig herausgestellt. Für die Zukunft ist Marco sicher wieder einer, der Podiums und Siege einfahren kann.“

Wie zufrieden warst du allgemein mit der Saison?

„Man muss es individuell betrachten. Mit den Top-Leuten im Speedbereich, wie Mayer und Kriechmayr, war ich sehr zufrieden. Da sind Siege und Podeste eingefahren worden. Marco Schwarz ist auch eine sehr gute Saison gefahren. Leider haben wir auch einige Leute gehabt, die nicht ihre normale Form erreicht haben. Man muss jetzt schauen woran das gelegen ist.“

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GEPADoppelsieg auf der Streif in Kitzbühel. Matthias Mayer siegte vor Vincent Kriechmayr.

Hat man schon Gründe gefunden, warum es beim Einen oder Anderen nicht so geklappt hat?

„Zum einen waren Verletzungen das Problem, wie zum Beispiel bei Manuel Feller. Andere sind einfach nicht in Form gekommen oder haben beim Material oft nicht das Richtige gewählt. Mit diesen Leuten muss man das Ganze jetzt genau analysieren und in der neuen Vorbereitung darauf reagieren.“

Was waren deine Highlights in dieser Saison?

„Ganz klar die Heimrennen in Kitzbühel und Hinterstoder. In Kitz waren wir vier Mal am Podest und dazu der Abfahrtssieg von Matthias. Der Sieg von Vinc in Hinterstoder natürlich auch. Das sind die großen Highlights unserer Saison gewesen.“

Was ist dir sonst noch positiv aufgefallen?

„Einige Leute haben positiv überrascht, da ist Adrian Pertl besonders hervorzuheben. Er ist vom Europacup gekommen, hat sich mit hohen Startnummern sehr schnell im Weltcup etabliert und ist jetzt unter den Top-30. Genau so erfreulich ist die Entwicklung von Fabio Gstrein, der sehr gute Leistungen gebracht hat. Natürlich darf man auch Raphael Haaser nicht vergessen, der gleich bei seinem ersten Weltcuprennen gepunktet hat. Wir haben einige junge Leute, die nach vorne stoßen.“

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GEPAAdrian Pertl konnte in seinem erst siebenten Weltcuprennen in Chamonix (FRA) auf das Podest fahren.

Wo Licht, da auch Schatten. Der ÖSV hat heuer keine Kristallkugel geholt. Wo siehst du die Gründe?

„Leider sind wir im Super-G ganz knapp gescheitert. Wir waren gut, aber leider zu inkonstant. Ein paar Aussetzer haben uns im Speed-Bereich die Kugeln gekostet. Im technischen Bereich sind wir einfach noch nicht soweit, damit wir um die Kugel mitkämpfen können. Das wollen wir nächstes Jahr hinbekommen.“

Ist die Nationenwertung ein Thema?

„Klar ist das ein Thema. Wir sind heuer nur Vierter bei den Herren, das ist nicht zufriedenstellend. Von den Podestplätzen her sind wir gleich wie letztes Jahr, wenn man Marcel wegrechnet, aber die zweite Garde hätte mehr Punkte machen müssen. Das ist uns leider nicht gelungen. Gratulation aber an die Schweiz, die haben das gut gemacht.“

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GEPAVincent Kriechmayr feierte im Super-G in Hinterstoder einen emotionalen Heimsieg. Matthias Mayer wurde Dritter.

Für dich beginnt schon die Vorbereitung auf die neue Saison. Wie sieht der Plan aus?

„Durch die Absage sämtlicher Rennen haben wir mehr Zeit zur Vorbereitung und die müssen wir jetzt nützen. Es beginnt mit Analysen und Skitests. Wir wollen den Winter in Österreich noch nützen und müssen Skigebiete finden wo wir einerseits gute Bedingungen vorfinden und andererseits sicher sind aufgrund des Corona-Virus.“

Danke für das Gespräch.

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